Die Brüder Haßmann: Siegen gehört zur Mentalität in der Familie

Einen Sieg hat Felix seinem großen Bruder Toni voraus: Der bei den Deutschen Meisterschaften der Springreiter, gewonnen vor einer Woche. „Das ist mein größter Erfolg bisher, und ich habe mich echt darüber gefreut“, sagt Felix Haßmann. Sein Bruder Toni lacht: „Ich mich auch!“ Er selbst saß auch im Sattel beim Turnier, war aber nicht ganz vorn mit dabei. „Nachdem ich fertig war, bin ich gleich zum Einritt und habe mitgefiebert“, sagt Toni. Von Rivalität unter Brüdern ist im Gespräch am Turnierplatz bei dem Sommerturnier Riesenbeck International nichts zu spüren. Beide sind wie Kollegen, lachen mit- und übereinander und ergänzen sich prächtig. Gewinnen wollen beide, ist aber einer aus dem Rennen, hilft er dem anderen.
Erste Plätze sind im Hause Haßmann eher an der Tagesordnung. Toni, der 43 Jahre alte Älteste der Brüder, hat „knappe 600“ auf dem Konto. Bei Felix, mit 33 Jahren der jüngste Haßmann, sind es bereits „etwas mehr als 500“. Bastian (38), der mittlere Bruder von dreien, ritt ebenfalls bis zur Klasse S, hörte dann aber auf. Er hatte keine Lust mehr.  „Der schleicht nur noch um den Stall herum, interessiert sich aber weiterhin für alles“, sagt Toni.

 

Die Haßmanns haben das Reitergen wahrlich im Blut: Mama Gunhild und Papa Reinhard waren erfolgreiche Reiter, die Mutter mit Teilnahme bis zu den Deutschen Meisterschaften. Toni begann sechsjährig zu Reiten, war elfjährig erstmals bei der Deutschen Meisterschaft mit seinem Pony. Felix, eher zurückhaltend als Toni, will sich auf ein Einstiegsalter nicht festlegen: „Eigentlich immer schon“, meint er trocken. „Wahrscheinlich habe ich bei Mama im Bauch schon mit dem Sport begonnen.“

 

Der große Bruder hatte von jeher Vorbildcharakter für Felix. Ganz stolz erzählt dieser auch, dass „ich mit ihm schon in der Führzügelklasse in Mettingen war.“ Das Resultat wissen beide noch: „Wir haben gewonnen!“


Das Siegen steht im Vordergrund, mit Stilspringen haben die Haßmänner weniger am Hut. Toni: „Das ist unsere Reitweise.“ Felix: „Und unsere Mentalität.“ Dann grinsen beide und schieben hinterher: „Wir lassen die Pferde laufen, wie sind. Wenn sie schnell laufen wollen, dann dürfen sie das“, sagt Toni. Der gelernte Pferdewirtschaftsmeister hat viel mit dem Westfälischen Verband zu tun. Berät bei Fohlenauktionen, bei der Auswahl junger Pferde und in züchterischen Dingen. Felix, ebenso gelernter Pferdewirt, bringt es in einem trockenen Satz auf den Punkt, warum man den Pferden ihre Eigenarten lässt: „Wir mussten immer schon verschiedene Pferde reiten. Die da waren, wurden eben geritten.“


Er ist der fleißigere Turnierteilnehmer der beiden. Jedes Wochenende reitet er um Zeit und Geld, von den late-entry-Turnieren, die in Riesenbeck regelmäßig an Dienstagen und mittwochs angeboten werden, hat er noch keines verpasst. „Pferde haben wir ja genug“, sagt er lapidar. 35 Vierbeiner stehen im elterlichen Stall Haßmann, in Felix´ Domizil. Toni hat 20 Pferde gemeinsam mit seiner Lebensgefährtin Clarissa Crotta. Da die Schweizer Springreiterin vor kurzem erst das gemeinsame Töchterchen Stella zur Welt brachte, musste der Papa auch die Pferde der jungen Mutter mitreiten. „Das hört jetzt aber auf, sie beginnt wieder mit Reiten – und ich habe wieder weniger.“

 

Dass ihn sein kleiner Bruder in ferner Zukunft mal überholen könnte mit der Anzahl der Siege, ficht Toni nicht an. Noch nicht….