Ein hochklassiges Stechen bildete am Sonntagnachmittag den krönenden Abschluss der neunten Etappe der Longines Global Champions Tour von Riesenbeck International. Vor 6.300 Zuschauern sicherte sich Luxemburgs Victor Bettendorf mit Gibbs un Prince den Sieg. Daniel Deusser belegte Rang zwei, Olympiasieger Christian Kukuk komplettierte als Dritter das Podium.
39 Paare stellten sich dem anspruchsvollen Parcours von Peter Schumacher. Erst der 16. Starter sorgte für die erste Nullrunde. Henrik von Eckermann (SWE) meisterte den Parcours mit dem zwölfjährigen Minute Man fehlerfrei. Nach der Pause qualifizierten sich auch Daniel Deusser mit Pepita van T Meulenhof BR, Denis Lynch (IRL) mit Cordial, Christian Kukuk mit Checker sowie Gilles Thomas (BEL) auf Ermitage Kalone für die Entscheidung. Als sechstes Paar zog Victor Bettendorf mit Gibbs un Prince in das Stechen ein.
Henrik von Eckermann eröffnete das Stechen mit einer weiteren fehlerfreien Runde in 41,83 Sekunden, die am Ende Rang fünf bedeutete.
Daniel Deusser legte anschließend die Messlatte deutlich höher. Mit der formstarken Pepita van T Meulenhof BR, einer Tochter des El Torreo de Muze, nahm er dem Schweden mehr als fünf Sekunden ab und überquerte die Ziellinie nach schnellen 36,34 Sekunden. Lange sah alles nach einem deutschen Heimsieg aus.
Christian Kukuk und Checker kamen dem Spitzenreiter noch einmal gefährlich nahe, mussten sich am Ende jedoch mit einem Rückstand von lediglich vier Zehntelsekunden zufriedengeben. Denis Lynch blieb mit Cordial ebenfalls ein zweites Mal fehlerfrei, konnte das Tempo der Konkurrenz jedoch nicht ganz mitgehen und belegte Rang vier.
Als letztes Paar betrat der Luxemburger Victor Bettendorf den Parcours. Mit dem zehnjährigen Selle-Français-Wallach Gibbs un Prince gelang ihm eine fehlerfreie Runde in herausragenden 35,37 Sekunden – fast eine Sekunde schneller als Daniel Deusser.
Selbst Bettendorf zeigte sich nach seinem Triumph überrascht. „Ich weiß ehrlich gesagt nicht, wo ich die Zeit gefunden habe. Henrik war schnell, Christian war schnell und Daniel ebenfalls. Ich dachte, vielleicht kann ich noch vor Denis landen, aber dass es zum Sieg reichen würde, hätte ich nicht erwartet. Mein Pferd ist ein Superstar. Ich hatte ein richtig gutes Gefühl und dachte mir: Ich probiere es einfach. Im schlimmsten Fall werde ich Fünfter und bin trotzdem zufrieden – aber gewinnen ist natürlich noch viel schöner.“
Für Bettendorf war der Erfolg ein weiterer Meilenstein in der Entwicklung seines Partners, einem Sohn von Number One d'Iso*un Prince.
„Wir haben ihn Anfang vergangenen Jahres gekauft. Schon beim ersten Proberitt hatte ich ein unglaubliches Gefühl und habe immer an dieses Pferd geglaubt. Rückblickend habe ich im vergangenen Jahr allerdings etwas zu schnell zu viel von ihm verlangt. Das war dem Pferd gegenüber nicht fair. Deshalb haben wir einen Schritt zurück gemacht, sind kleinere Prüfungen geritten und haben ihn in Ruhe aufgebaut. Jetzt zahlt sich diese Geduld aus.“
Zum ersten Mal überhaupt war Bettendorf in Riesenbeck am Start und zeigte sich von der Atmosphäre begeistert: „Es ist wirklich eine besondere Arena und eine außergewöhnliche Anlage. Das Publikum war fantastisch und hat jeden einzelnen Reiter unterstützt. Ludger und sein Team haben hier etwas Großartiges geschaffen.“
Gilles Thomas verzichtete darauf, Ermitage Kalone im Stechen nochmals einzusetzen und schonte den Hengst im Hinblick auf die kommenden Aufgaben.
Auch aus deutscher Sicht gab es Grund zum Feiern: Daniel Deusser und Christian Kukuk sorgten mit den Plätzen zwei und drei für ein starkes Ergebnis vor heimischem Publikum.
„Wenn man bis zum letzten Starter in Führung liegt, möchte man natürlich gewinnen“, sagte Daniel Deusser. „Aber Victor war heute unglaublich schnell. Ich bin trotzdem sehr zufrieden mit meiner Runde. Pepita ist in hervorragender Form und heute wieder fantastisch gesprungen. Für sie war das nahezu eine perfekte Runde und ich bin sehr glücklich mit meinem Pferd.“
Christian Kukuk freute sich ebenfalls über seinen Podestplatz: „Natürlich wäre ich gerne noch einen Platz weiter vorne gewesen. Aber ehrlich gesagt bin ich mit Rang drei sehr zufrieden. Vor allem freue ich mich darüber, wie Checker gestern, heute und auch im Stechen gesprungen ist. Er ist ein außergewöhnliches Pferd und ich bin unglaublich stolz auf ihn. Der Druck war in dieser Woche schon spürbar, aber ich denke, wir haben im Parcours die richtige Antwort gegeben. Es war außerdem das erste Mal, dass ich nach Riesenbeck zurückgekehrt bin, ohne dass es noch meine Heimatbasis ist. Trotzdem fühlt es sich jedes Mal wie Zuhause an, wenn ich durch das Tor fahre. Ludger und das gesamte Team wiederzusehen, war etwas ganz Besonderes. Heute Abend haben wir auf jeden Fall allen Grund, diesen Erfolg gemeinsam zu feiern.“
An der Spitze der Gesamtwertung der Longines Global Champions Tour gab es keine Veränderungen. Abdel Saïd (BEL) behauptet weiterhin die Führung. Gilles Thomas verbessert sich auf Rang sechs, Cian O'Connor rückt auf Platz sieben vor und Christian Ahlmann belegt nun den achten Rang.
Die Longines Global Champions Tour macht nun Station in London, wo vom 7. bis 9. August die zehnte Etappe der Saison ausgetragen wird.
Mehr als 15.000 Besucher erlebten an vier Tagen internationalen Spitzenspringsport in Riesenbeck. Die Vorfreude auf die nächste Auflage ist bereits groß: Vom 22. bis 25. Juli 2027 kehren die Longines Global Champions Tour und die Global Champions League zu ihrer einzigen deutschen Station nach Riesenbeck International zurück.
Fotos: Equitaris



























